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RÜCKBLICK !

Weihnachtsbotschaft 1922

Aus Bernecker Amtsblatt - Nichtamtlicher Teil.

 

Weihnachten, das Fest der Liebe, ist wieder da. Wie wollen wir es feiern ?

Sonst war es leicht, andern seine Liebe zu zeigen und ihnen ein schönes Weihnachtsgeschenk zu machen.

Aber dieses Jahr ? Bei dieser drückenden Teuerung überall? Bei dieser furchtbaren Not ringsum?

Man möchte wohl geben, aber man sieht sich die Hände gebunden. Nicht einmal denen, die Weihnachten

im Vordergrund stehen und ein besonderes Anrecht auf Weihnachtsfreude haben, den Kindern, kann man

ein frohes Fest bereiten. Ein zu trauriges Weihnachten, Weihnachten im schweren Winter 1922 !

Aber eins können wir auch dieses Jahr tun. Ein Elternpaar war dabei, seinen Kindern den Weihnachtbaum

auszuputzen. Es fehlten nur noch die Lichter. Während der Vater die Lichter auf den Zweigen befestigte,

ging die Mutter prüfend um den Baum herum, um zu sehen, wo noch eines fehle. " Komm her, hier ist noch

eine dunkle Stelle, hier gehört noch ein Licht hin," rief sie. Dieses Wort traf den Mann tief. Er fing an nach-

zudenken: Wieviele dunkle Stellen gibt es doch in der Welt! Man braucht gar nicht weit zu gehen. Gibt es

nicht genug dunkle Stellen im eigenen Hause, im Familienleben, in unserem Gemeinschaftsleben, zwischen

Nachbarn und Freunden, Arbeitgebern und Arbeitnehmern, zwischen den einzelnen Schichten und Ständen

unseres Volkes? Dunkle Stellen, die häßliche Flecken an unserer Volksgemeinschaft sind? Da gehört Licht

hin. Könnten wir es nicht sein, die Licht bringen, hier in ein dunkles Haus, dort in ein dunkles Herz?

Könnten wir nicht dazu beitragen, daß ein wenig da und dort das Dunkel der Not, der Sorge, der Ver-zweiflung , der Verbitterung, des Hasses, des gegenseitigen Mißtrauens schwindet und es heller wird in den

Herzen und in den Häusern? So können wir auch in diesem Jahre Weihnachten feiern und dazu beitragen,

daß die Menschen um uns wieder glauben lernen an Menschen- und Gottesliebe.

 

                                                                                                    Entdeckt   -    Heinz Zahn